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Seite 2 Jubiläumszug und Festabend
Von der Ringleitung zur Digitalsteuerung, Artikel im FREMO-Hp1 Jubiläumsausgabe 2/3 2006
Modul mit Tastensatz für den Betrieb mit der Ringleitung
Fotos: Armin Mühl
Am Anfang war die Ringleitung
Modellbahnen werden elektrisch angetrieben, und so musste man sich
bei der Gründung des FREMO eine an die besonderen Bedürfnisse
des Modulbetriebs angepasste Elektrik ausdenken. Anfang der 80er Jahre
waren Digitalsysteme noch in der Entwicklungsphase. Deshalb wurde eine
Analogelektrik mit folgenden Merkmalen konzipiert: Betrieb mit mehreren
Mitspielern, leichte Anpassung an die bei jedem Treffen andere Reihenfolge
der Betriebsstellen sowie Möglichkeit zum gleichzeitigen Ein- und
Ausfahren aus einem Bahnhof. Man entschied sich für eine Zuordungs-Schaltung,
bei der verschiedene Regler entsprechend dem Fahrweg auf das Gleis geschaltet
werden können.
Zunächst wurden drei Reglerstromkreise vorgesehen. Für die
Ortslok konnten in jedem Bahnhof ein oder zwei weitere Stromkreise zugeschaltet
werden. Die drei Stromkreise waren auf der ganzen Länge der Ringleitung
verfügbar. Man konnte seinen Handregler an beliebiger Stelle einstecken
und den Zug steuern. In den Bahnhöfen hatte jedes Gleis und jeder
Bahnhofskopf einen Tastensatz, mit dem der jeweiligen Bereich einem Reglerstromkreis
zugeordnet werden konnte. Damit war die Forderung nach gleichzeitigen Fahrten
in einer Betriebsstelle erfüllt. Mitte der 80er Jahre erfolgte eine
Erweiterung der Ringleitung auf fünf Reglerstromkreise.
Mit zunehmend größer werdenden Arrangements wurde das System
ausgebaut. Es wurden für einfache Bahnhöfe ohne Ringleitungstechnik
Kästen mit Tastensätzen ( Black Box genannt) gebaut. Stöpselboxen
für die freie Strecke kamen hinzu. Die Ringleitung wurde im Laufe
der Zeit immer umfangreicher und die Teile wurden auf mehrere Standorte
verteilt. So verteilten sich Pflege und Transport auf mehr Leute, aber
eine so dezentrale Versorgung wie heute bei den Digitalkomponenten gab
es noch nicht.
Es ging auch ohne Ringleitung
Bei H0e und H0m ging man einen anderen Weg für die Modulelektrik.
Hier sollte die Elektrik möglichst einfach werden. Es wurden insgesamt
vier Leitungen unter den Modulen verlegt. In der Mitte zwischen den beiden
Betriebsstellen war eine Trennung und dort wurden die beiden Adernpaare
über Kreuz verbunden. Dieses einfache Prinzip mit der sogenannten
Blindleitung hat sich bewährt und wurde bis zur Einführung des
Digitalbetriebs von fast allen anderen Gruppen übernommen.
Die Grenzen der Ringleitung
Anfang der 90er Jahre wurden die Arrangements bei H0-Europa immer größer,
die Ringleitung stieß an ihre Grenze. Zum Teil wurde ein sechster
Reglerstromkreis eingeführt. Für die geplanten zweigleisigen
Strecken und Bahnhöfe sollte die Ringleitung dann doppelt und mit
mehr Stromkreisen geführt werden. Machbar wäre das aus elektrischer
Sicht gewesen, aber ganz sicher schwer zu bedienen.
Erste Tests mit Digitalsystemen
Inzwischen gab es die ersten Digitalsteuerungen für Modellbahnen.
Die Anforderungen beim FREMO waren relativ klar: keine Verschlechterung
der Fahreigenschaften, leichter Aufbau und dezentrale lagerung der Komponenten,
das System musste eine ausreichende Menge von Handreglern zulassen und
die immer größeren Arrangements verkraften können. Der
wichtigste Punkt allerdings war und ist auch heute noch, sich nicht in
Abhängigkeit eines einzigen Anbieters zu geben. Die damaligen Digitalsysteme
erfüllten diese Anforderungen zunächst nur unzureichend. Einen
ersten Digitaltest gab es bei H0-Europa 1989 in Nienburg. Dieser verlief
zunächst nicht erfolgreich, weshalb beim FREMO noch jahrelang eine
gewisse Skepsis gegenüber Digitalsteuerungen vorherrschte.
Etwas später kam mit Lenz ein Anbieter auf den Markt, der das
heute noch übliche DCC-Protokoll unterstützte. Allerdings zeigte
sich auch hier noch keine FREMO-Tauglichkeit, 28 Fahrstufen und die damalige
Pulsfrequenz waren für die mit Faulhabermotoren ausgestatteten Fahrzeuge
nicht geeignet. Auch war die Anzahl der Handregler, der Lok-Adressen und
die zulässigen Kabellängen noch zu begrenzt.
So dümpelte das Thema Digitalisierung jahrelang vor sich hin,
obwohl einige Mitglieder privat schon digital fuhren.
Bei einer Modellbahnausstellung in Osnabrück im November 1996,
meine FREMOdule sollten eigentlich nur als Diorama genutzt werden, befand
sich nebenan ein Aussteller mit der mir bis dahin unbekannten Digitalsteuerung
namens Digitrax-Chief aus den USA. Diese Steuerung kannte bis zu 128 Fahrstufen,
vierstellige Adressen und die Busverkabelung war denkbar einfach aufgebaut.
Mit einigen geliehenen Decodern und einem langen Kabel zur Versorgung wurde
auf meinen Modulen dann doch etwas gefahren. Die Fahreigenschaften waren
erstaunlich gut.
Der Durchbruch
Bald liefen Internetrecherchen liefen auf Hochtouren, Kontakte wurden
geknüpft. In die engere Wahl kamen nach ausgiebiger Prüfung die
Firma Digitrax mit der Zentrale namens Chief und die nach dem Tod des Gründers
Don Wangrow inzwischen nicht mehr existierende Firma System One. Beide
Systeme erfüllten die Anforderungen einer großen Modulanlage
und Nutzung des von der NMRA genormten DCC-Protokolls. Gegen System One
sprach hauptsächlich, dass in Europa kein Importeur vorhanden war.
Auf der Modellbahn-Messe 1996 in Köln wurden ebenfalls Recherchen
vorgenommen, doch nahmen uns die meisten Anbieter offensichtlich nicht
ernst. Fragen nach mehr als 100 m Busleitung und über 50 möglichen
Handreglern überschritten das Vorstellungsvermögen der Anbieter.
Mehr als einmal hörten wir die Frage: "Wer braucht so viele Handregler?"...
Nur bei Zimo wurden wir ernst genommen. Die nicht geplante Offenlegung
der Standards und der damit unmögliche Selbstbau von Handreglern sprach
allerdings gegen Zimo.
Schon historisch: Analoges Schaltpult
Hier ist Eigeninitiative gefragt: Fräsen von Loconet-Boxen
in Serie
Der Zufall wollte es, dass Carsten Möller und Stefan Bormann 1997 an der NMRA-Convention in Madison teilnehmen wollten. Dort wurde ein erster Digitrax-Chief bestellt. In Vorbereitung auf einen Digitalbetrieb wurden Überlegungen angestellt, wie man beim FREMO den Handreglerbus möglichst einfach verkabeln könnte. So entstand Ende August 1997 in einer spontanen Aktion die Loconet-Box. Ende September 1997 verbreitete sich die freudige Nachricht, dass der lang ersehnte Digitrax-Chief geliefert worden sei. Einige Digitrax-Decoder waren auch mit im Paket und so konnten einige Fahrzeuge für einen Testbetrieb umgerüstet werden. Das Anfang Oktober 1997 in Lilienthal veranstaltete Regionaltreffen sollte für einen ersten Test genutzt werden. Ein Seitenast (Wentorf - Mühlenrade - Westenhain) wurde in der Nacht auf DCC umgebaut. Wentorf wurde zum "Systemwechselbahnhof". Als alles fertig war, kam der spannende Augenblick: Fast wider Erwarten funktionerte alles und in Mühlenrade konnten nun fünf Loks freizügig umherfahren. Es dauerte nicht lange bis zum ersten Beinahe-Zusammenstoß... Ermutigt durch den funktionierenden Betrieb wurde auf der Modellbahnmesse in Hannover sowohl bei H0RE als auch bei H0m im Digitalbetrieb gefahren. Der Betrieb lief während der neun Messetage weitgehend problemlos. Bei der Messe ergab sich der Kontakt zu Herrn Dr. Ziegler, dem Inhaber von Zimo-Elektronik. Zimo hatte 1997 den ersten Decoder mit hochfrequenter Motoransteuerung auf den Markt gebracht, der uns für die zahlreichen mit Faulhabermotor ausgestatteten Fahrzeuge der FREMOikaner noch fehlte. Das von ihm zur Verfuegung gestellte Muster wurde auf der Messe in Friedels BR 82 eingebaut und danach von Dr.Ziegler in einer längeren Aktion in den CVs optimiert. Die danach vorhandenen Langsamfahreigenschaften überzeugten auch die letzten Zweifler vom Digitalbetrieb.
Tests mit dem Selectrix-System
Parallel dazu gab es Aktivitäten in Sachen Selectrix-Digitalsteuerung.
Zeitgleich mit dem Treffen in Lilienthal gab es ein Treffen in Naumburg,
bei dem auf einem Testkreis Selectrix vorgeführt wurde. Für einen
direkten Vergleich wurde beim Treffen im niederländischen Lichtenvoorde
ein Arrangementast mit Selectrix betrieben. Der Betrieb lief problemlos.
In Bruchköbel wurde ein weiterer Test durchgeführt, hier wurde
nur mit Selecrix gefahren, bei einem der späteren Fahrpläne wurde
Multiprotkoll Selecrix/DCC benutzt. Auch dieser Test funktionierte gut.
Systementscheidendes
In der Folge gab es lebhafte E-Mail-Diskussionen zwischen Befürwortern
der beiden Systeme aus dem dann später die Mailingliste "fremodcc"
entstand. Ein Ergebnis der Diskussion war, dass es zwingend erforderlich
ist, dass die Protokolle für Gleis- und Handreglerbus offen gelegt
werden. DCC war von der NMRA genormt und damit offengelegt. Digitrax tat
das für den privaten Gebrauch auch mit dem Loconet. Damit war der
Weg für den Selbstbau von Komponenten innerhalb des FREMO frei. Bei
Selectrix, bzw. den Entwicklern Doehler&Haass tat man sich mit der
Offenlegung schwer, man war durch einen Exklusivvertrag an Trix gebunden.
Hier war keine offizielle Dokumentation verfügbar.
FREMO-Eigenentwicklungen
Bei der Digitrax-Steuerung waren alle notwendigen Komponenten erhältlich,
doch war die Bedienung des damals üblichen Handreglers DT100 ungewohnt.
Ein Handregler musste her, der so einfach wie der Analoghandregler zu bedienen
war. Stefan Bormann und Martin Pischky begannen noch im November 1997 die
Entwicklung des später als FRED bekannt gewordenen SLNTHR (Simple
LocoNet THRottle). Bis zur Serienreife brauchte der Regler allerdings noch
geraume Zeit. Zur Spielwarenmesse 1998 kündigte Uhlenbrock die Intellibox
an. Als Bussystem war das Loconet vorgesehen. Somit war absehbar, dass
es einen weiteren Anbieter von NMRA-DCC-Komponenten geben sollte.
In Oberwildflecken sollte erstmals ein gesamtes Arrangement mit DCC
gefahren werden. Inzwischen waren in Franken preisgünstige Booster
entwickelt und gebaut worden, es konnten mehrere Boosterbezirke eingerichtet
werden. Dieser Test lief erstaunlich gut. Im kleinen Rahmen wurde auch
noch auf einer Ausstellung in Lingen digital gefahren. Der von Bart Bakker
auf den Namen FRED getaufte Handregler hatte zunächst einige Kinderkrankheiten
wie den gelegentlichen Verlust der zugewiesenen Lok, die prinzipielle Funktionsfähigkeit
hatte er aber bewiesen. Immer mehr FREMOikaner interessierten sich für
die Versuche der beiden Gruppen, deshalb wurde ein Vergleich auf der Jahrestagung
1998 in Lilienthal vorgeschlagen. Das große Arrangement sollte analog,
mit Sx und DCC betrieben werden. Jedem System sollte ein Ast zugewiesen
werden, damit möglichst viele Teilnehmer beide Systeme testen konnten.
Erwartungsgemäß arbeiteten auch hier wieder beide Systeme gut.
Bei DCC gab es immer wieder die Verluste der zugewiesenen Lok, für
die aber ein Helfer mit der roten Mütze bereit stand, um die Lok sofort
wieder dem FRED zuzuweisen. Die Probleme von FRED wurden zügig beseitigt,
und DCC mit Loconet kam immer häufiger auf Treffen zum Einsatz. Rechneten
wir anfangs noch mit einer bis zu fünf Jahre dauernden Umstellungsphase,
so dauerte es keine zwei Jahre, bis Analogtreffen zur Seltenheit wurden.
Das Arangement zur Jahrestagung 2000 in Kassel sprengte mit fast 500m
Modullänge alle bisherigen Grenzen. Hier zeigte sich allerdings die
Grenzen der Leistungsfähigkeit einer einzigen Zentrale. Mit wenig
Aufwand konnte eine zweite Zentrale genutzt werden. Beim 25-Jährigen
Jubiläum des FREMO in Alsfeld werden wir voraussichtlich mit vier
oder fünf Zentralen fahren. Eine offizielle Abstimmung zur Einführung
einer Digitalsteuerung hat es nie gegeben, es war eher eine Abstimmung
mit den Füßen. Die Mehrzahl der FREMOikaner rüstete ihre
Loks mit DCC-kompatiblen Decodern aus. In der Folge gab es noch einige
Treffen, bei denen denen DCC und Sx in getrennten Arrangementteilen zum
Einsatz kamen. Trotz der inzwischen verfügbaren DCC/Selectrix-Multiprotkolldecoder
war deren Betrieb immer wieder problematisch, weil die multiprotokoll-tauglichen
Loks durch Umlauffehler anderswo fuhren und im Systemwechselbahnhof fehlten.
Der planerische Aufwand für Arrangement und Fahrplan, um beide Systeme
einzusetzen, war groß. So wurde bei der Jahrestagung 2002 in Enschede
der bisher letzte Mischbetrieb dieser Art gefahren. Auch die anderen Baugrößen
haben inzwischen überwiegend auf DCC mit Loconet umgestellt.
Was hat es uns gebracht?
Die Umstellung auf den Digitalbetrieb hat uns viel gebracht. Vorbildfremde
Handlungen, wie die Fahrstomzuschaltung sind entfallen, die Beschränkungen
auf wenige gleichzeitig mögliche Fahrten ebenfalls. Erst mit einer
Digitalsteuerung wurde es möglich, Großbahnhöfe wie Brebeck,
Treudelburg und Bickburg zu betreiben und Fahrpläne zu fahren, die
an eine Hauptabfuhrstrecke erinnern. Aus unseren Entwicklungen für
den Eigenbedarf sind schon mehrere kommerzielle Produkte abgeleitet worden
und manch neues Produkt wird auf FREMO-Treffen einem Härtetest unterzogen,
denn derartig große Testanlagen kann kein Hersteller vorhalten. Über
Reinhard Müller ist der FREMO bei der DCC-Working Group der NMRA vertreten.
Als DCC-Koodinator für Europa ist er maßgeblich an der Normung
beteiligt.
Dirkjan Kaper bei der Inbetriebnahme einer Digitalzentrale
Verantwortlich für den Inhalt: Armin Mühl, LetzteÄnderung: 25.08.2007